Das Widerstandsnest 62 auch in Kurzform genannt WN 62 war der am stärksten befestigt und teilweise verbunkerte deutsche Stützpunkt am Landunsabschitt Omaha Beach zur Zeit der Invasion am 6.Juni 1944. Der Stützpunkt befand sich unterhalb des Dorfes Collevil-sur-Mer, im Tal wo die Strasse zum Strand führte.

Widerstandsnest 62 D+1

Die traurige Berühmtheit dieser Verteidigungsstellung kommt von der Tatsache, dass die 1st Infantry Division 16th Infantry Regiment welche 1944 im Rahmen der Operation Overlord am Strand landeten enorm hohe Verluste erlitten hatte.
 
Der Umfang der Anlage

Die Anlage umfasste ein circa 345 × 320 Meter großes Gelände, das etwa 45–100 Meter von der Wasserlinie entfernt war. Die Befestigungen befanden sich circa einen ¾ Kilometer westlich von Colleville-sur-Mer Richtung Strand auf einem etwa 20 Grad ansteigenden Hügel aus Kalkbruchstein. Die Stellungen dieses Stützpunkts waren circa 10 bis 50 Meter über dem Meeresspiegel gelegen und erlaubten somit einen relativ guten Überblick über den Strand der bei der U.S Army auf dem Streifen, der in den Karten an der Grenze der Unterabschnitte Easy Red und Fox Green war.

Die Besetzung der Anlage

Die Deutschen Soldaten setzten sich aus Angehörigen der 3. Kompanie 726 Regt.716. Infanteriedivision mit einer Stärke von 26 Männern, 4 Kanoniere des Gren. Reg 916
Oberst Goth und Angehörige der 352. Infanteriedivision circa 13 Männern zusammen.
Insgesamt lediglich zwischen 35-40 Soldaten.
Aufgabe der 13 Soldaten der 352.Inf.Div. und des Artilleriebeobachter Oberleutnant Frerking war, das Sperrfeuer der 10,5 cm Haubitzen der circa 5 Kilometer im Hinterland (Houtteville)liegenden Geschützbatterien des 1.Battaillon des Artillerieregiments der 352.Infanteriedivision unter Oberstleutnant Wilhelm Ocker aus seinem betonierten Beobachtungsstand zu lenken.

     
v.Links Oberst Goht Major Pluskat Oberleutnand Frerking

Die zugeteilte Mannschaft des Stützpunktes
Die Kommandanten
Leutnant Claus Hermann Stützpunktkommandant WN 59, WN 60, WN 61, WN 62.
Obergefreiter Peter Lützen stellvertretender Stützpunktkommandant WN62 Fernmelder
Oberleutnant Bernhard Frerking Chef der 1.Batterie B-Stelle Feuerleitoffizier
Leutnant Wilhelm Grass stellvertretender Chef B-Stelle 1.Batterie


Besatzung der 7.65 cm Feldkanone Nr.1
Obergefreiter Heinrich Brinkmeier Geschützführer
Obergefreiter Theodor Brinkbäumer Kanonier
Obergefreiter Anton Flossmann Munitionsversorger
Grenadier Paul Häming Munitionsversorger

Besatzung der 7.65 cm Feldkanone Nr.2
Obergefreiter Heinrich Krieftewirth Geschützführer
Gefreiter Alois Reckers Kanonier
Gefreiter Hans Selbach Munitionsversorger
Soldat Emil Drews Munitionsversorger

Besatzung der unteren offenen Feldstellung der 5 cm Panzerabwehrkanone
Obergefreiter Siegfried Kuska Kanonier
Soldat Franz Heckmann Kanonier

Personal der Feuerleitstelle des Artillerie Regiment 352.
Wachtmeister Ewald Fack Fernmelder B-Stelle 1.Batterie
Unteroffizier Beerman B-Stelle 1.Batterie
Grenadier Herbert Schulz Fernmelder B-Stelle
Gefreiter Kurt Warnecke Fernmelder B-Stelle
Gefreiter Heinrich Severloh Ordonanz B-Stelle

Die Besatzung der Tobruk Stände für die 5cm Granatwerfer.
Oberschütze Bruno Plota Granatwerfer Besatzung
Gefreiter Edmund Ferchau Granatwerfer Besatzung

Die Besatzung des Doppel Tobruk Stand für ein 5cm Granatwerfer
Maschienengewehr

Gefreiter Gustav Bersik Granatwerfer Besatzung
Gefreiter Michael Schnichels Melder

Die Besatzung des Tobruk Stand für ein Maschienengewehr Modell 34
Gefreiter Ludwig Kwiatkowski MG-Schütze


Die Besatzung der offenen MG Erd-Stände und des überdachten Unterstand
Gefreiter Theo Kowalski MG-Schütze am 6.Juni an der Flugabwehr
Gefreiter Franz Gockel MG-Schütze
Grenadier Christian Faust MG-Schütze
Soldat Helmut Kieserling MG-Schütze

Küchenpersonal
Obergefreiter Fritz Riemann Küchenchef
Obergefreiter Valentin Lehrmann Koch
Gefreiter Alfred Liermann Küchengehilfe

Personal des Stützpunktes
Unteroffizier Franz Bauer Inf.716
Unteroffizier Ludwig Förster Inf.716
Unteroffizier Ludwig Schulte Inf.716
Obergefreiter Bruno Wittberg Sanitäter


 

Die Bauten zur Herstellung/Bau der nah gelegenen Anlagen

1 Steinbrecher zur Herstellung des Betonkieses

1 Förderband für den Transport auf die Feldbahn
Geleise für die Feldbahn die den Nachschub an Betonkies für die Baustelle WN 61 lieferte.
Das Antriebsagregat des Brechers und des Förderbandes war ein Deutz-Diesel der die Apparate mittels Bänder antrieb.

Die militärischen Bauten der Anlage

De ehemalige Strandvilla wurde während der Zeit des WN62 als Wachstube, Quartier und Küche genutzt. Auf dem Areal befand sich eine Baugrube die vorgesehen war für eine neue Wachstube. Die Landung am 6.Juni verhinderte den Bau dann
.

Die untere Feldstellung PAK von Obergefreiter Siegfried Kuska und Soldat Franz Heckmann


2 Betonplatforme die für die beiden 7.65mm Geschütze waren bevor die Kasematten gebaut waren.

1 Ehemalig halb unterirdische Manschaftsbaracke die bis zur Fertigstellung des Manschaftsbunkers als Quartier diente.

1 Mannschaftsbunker unterirdisch aus Beton mit Quartier für 20 Mann.
 
1 Betonierter Unterstand für Funk und Kommunikation, auch ausgerüstet mit einem "Lichtsprechgerät" um die Verbindung zu WN 61 / WN 63 zu halten.

1 Beobachtungsbunker sowie Feuerleitstelle für das Artillerieregiment der 352.Infanteriedivision.

1 Fernmeldebunker für die Feuerleitstelle des Artillerie Reg.352

3 Latrinen....

2 Geschütz Kasematten Regelbau Nr.612 für die tschechischen 7,65 cm Geschütze.


Blick aus der Geschützkasematte Nr1. Richtung Vierville

1 Munitionsbunker

2 offene Stellungen für das 5cm PAK Geschütz

2 Tobruk Stände für die 5cm Granatwerfer.

1 Tobruk Stand für ein Maschinengewehr Modell 34 auf einer Drehlaffete.

1 Doppel Tobruk Stand für ein 5cm Granatwerfer und ein Maschinengewehr auf einer Drehlaffete.

1 offene Feldstellung für
ein Zwillingsmaschienengewehr Modell 34 zur Flugabwehr.

3 offene MG Erd-Stände

1 MG Stand in einem Erdbunker.

2 Ein-Mann Stellungen für Handfeuerwaffen.

2 Abwehrflammenwerfer die vom Erdbunker aus gesteuert werden.

1 Panzerabwehrgraben Küstenseitig 4 Meter breit 1,7 Meter tiefen circa 300 Metern lang.

Die auf dem ganzen Stützpunkt gebauten Bauten wurden durch circa 2 Meter tiefe Lauf/Schützengräben verbunden.
Das gesamte Stützpunktgelände war durch Drahthindernissen Minenfelder und Stacheldrahtbarrieren geschützt. Im Vorfeld des Stützpunkts von der Wasserseite gesehen, war wie an vielen Orten der Normandieküste Hindernisse gegen die Landung erstellt worden.

Als erste „Anlaufstelle“ für die Landungsbote wurden die Elemente C auch genannt als „Belgische Tore“ aufgebaut.
Das nächste Hindernis auf dem Weg zum Strand waren die Rollböcke, rampenartige Objekte mit jeweils einer groben Stahlsäge und einer Mine bestückt. Im „Landser-Slang“ auch als „Dosenöffner“ bezeichnet.

Der krönenden Abschluss bildeten solide versetzte Holzpfähle, die als „Rommelspargel“ in die Geschichte eingegangen.
Einige dieser Hindernisse wurden so installiert, dass sie sich bei Flut unterhalb der Wasserlinie befanden. Man wollte erreichen, dass feindliche Landungsboote aufliefen und nach Möglichkeit zum Kentern gebracht werden oder durch die oben am Hindernis befestigten Mine explodierten. Das Gebiet vor dem Widerstandsnest zwischen den Drahthindernissen wurde durch verlegte Tschechenigel Landminen gegen Panzer Fahrzeuge und Personen zusätzlich geschützt.

An Verteidigungswaffen waren auf der Anlage stationiert:

2 erbeutete tschechische 76,5 mm Geschütze
2 50-mm-Panzerabwehrkanonen
2 leichte Granatwerfer (Kaliber 50 mm)
2 erbeutete wassergekühlte polnische Maschinengewehre Modell 1917
1 Zwillings-MG 34 zur Tieffliegerabwehr
1 Maschinengewehr Modell 34
1 Maschinengewehr Modell 42 in offener Feldstellung.
2 ortsfeste Festungsflammenwerfer


Die obere offene Feldstellung für das 5cm PAK Geschütz.
 

 
Das Gefecht um WN 62
D-Day
6.Juni 1944


Wie alle anderen 14 Widerstandsnester im Landeabschnitt Omaha wurde auch WN 62 am frühen Morgen des 6. Juni von amerikanischen B-24-Bombern angegriffen. Bei der Bombardierung wurde speziell im südlichen landeinwärts gerichteten Teil der Anlage Schäden verursacht. Besonders die Minenfelder und Drahtverhaue wurden vielfach einfach ausgeebnet und zerstört. Nach der Bombardierung durch die Bomber beschossen die Kriegsschiffe die Landezonen und somit auch
das Gelände des WN 62.

6:30 Uhr am Morgen des 6.Juni 1944 näherten sich die erste von insgesamt elf Wellen der 1st Infantry Division 16th Infantry Regiment dem Strand.

Die jungen Soldaten waren im festen Glauben von ihrem Landungsschiff ins kalte Wasser gesprungen, dass am Strand kein deutsches Geschütz mehr einsatzbereit ist, dass kein MG mehr bedient werden kann, dass kein Grenadier mehr hinter seinem Karabiner läge. Aber als die ersten MG`s die erste Angriffswelle zurück ins Wasser mähte verblutete schlichtweg die Hoffnung der Amerikaner an dieser Stelle im Handstreich zu landen.



Das Wasser der Ebbe lief nicht mehr ab, die gefallenen GI`s blieben im flachen Wasser liegen.
Verwundeten die sich noch bewegen konnten, krochen hinter die toten Kameraden und suchten so Schutz vor den mörderischen MG Garben. Wer es schaffte sich bis auf den trockenen Strand vorzukämpfen drückte sich so tief und so schnell wie möglich in eine Sandmulde, um Schutz zu finden.
 
Doch auf diesem Strandstreifen lag jetzt nun das Sperrfeuer der 10,5 cm Haubitzen aus Houtteville.
Bis 08:00 Uhr morgens am 6.Juni 1944 hatte noch kein amerikanischer GI den Dünenfuss vor WN 62 erreicht.
Bis Mittag schossen die MG`s bei jeder Angriffswelle auf die Landenden Truppe ein. Unten am Strand häuften sich die Toten zu regelrechten Bergen an.


Der Strand vor WN62 D+1

Doch der Stützpunkt sah bereits wie frisch geackert aus: Die Schiffsartillerie hatte die Granatwerfer zerschlagen, die Gräben eingeebnet, die Infanteristen dezimiert. Jetzt kamen die Amerikaner mit großen LCI`s, mit Cal .50ger MG`s und Panzer. Als der erste US Panzer an Land rollte, begann der Kampf ums WN 62. Und dieser Kampf Mann gegen Panzer konnte nicht lange geführt werden.

Die Zerstörer auf See schossen unentwegt auf die letzten intakten Stellungen. Die Nachbarstützpunkte WN 61 und WN 59 feuerten nicht mehr. So gegen 15:30 nach dem verbrauch der letzten Munition wurde der Befehl zum Absetzen gegeben.

Im Feuerhagel von Schiffsartillerie und Panzern aber gar kein leichtes Unterfangen. Damit war der Kampf um das Widerstandsnest WN 62 beendet.

Die letzten Überlebenden des Stützpunkts, zogen sich ins Hinterland zum WN 63 zurück den sie circa um 16:30 Uhr erreichten.